Mittwoch, 3. März 2010

25.02.2010 - Slum & Village II

Nach erfolgreichen 5 Stunden Schlaf, stellen wir uns dem neuen Tag.

Früchstück: Proteinreiches (Gehalt je nach Größe der Ameisenkolonie) Toastbrot und lecker Marmelade (pro Löffel 6 Löffel Zucker inklusive). Gefolgt von...

Trekking/Hiking: Ab durch den nahgelegenen, Jahrealten Wald, dessen Flora und Fauna sich uns auf abstrakte Weise in Reih und Glied neben dem ausgetrockneten „Flussbett“ der letzten Flut präsentiert. Ziel: der örtliche Schutthügel, um den fantastischen Ausblick auf das Village und die Verkehranbinung von oben zu genießen. Überragender Nebeneffekt, ewiges Rumgelaufe in der Vormittags-, Mittags- und Nachmittagssonne inklusive Folgen.

Zur Erholung genoss die Gruppe ihre „Free Time“ zwischen Kuhmist und Ochsen-Badeanstalt. Teils Schattig, teils sonnig und mit zusätzlichen Wasservorräten in Aussicht. Also alles beim Besten. Ankunft der Wasservorräte: 3 ganze Flaschen für 19 Leute. Für westliche Bedürfnisse nichts, aber für Slumverhältnisse natürlich schon zu viel, eigentlich (Aber für die Kosten, bei 2 Wochen Indien, lässt sich auch die CU nicht lumpen)

Nun, nachdem der Dehydration durch drei ergiebige Schluck Wasser und stundenlangem Aufenthalt in der Mittagssonne entgegengewirkt wurde, wurden anscheinend inzwischen auch alle Kinder zusammengetrieben und wir konnten die Village-Schulen besichtigen. Eintreten, Tanz/Gesang betrachten und wieder ab. Fröhliche Kinder (darf man das über Village-Bewohner sagen?)

Da ja das, wie gesagt, nicht reichte, konnten wir uns, nicht ohne unseren verlausten Matratzen zurückzugeben, während der Rückfahrt doch noch auf den Besuch in einem noch ärmeren Slum freuen. „Die Armut im Visier“ wäre wohl ein passendes Thema für die beiden Tage. Im Slum angekommen stellen wir fest, dass wir hier schon den Tag zuvor waren und kommen uns etwas veralbert vor. Vielleicht wird es hier mal Zeit, die Gruppenführung in die Geheimnisse der Vorabinformation ein zu weihen. Aber nö, „macht ja nix“ und die Infos behalten wir auch einfach mal für uns. Ziemlich genervt bewegen wir uns mal wieder durch den gleichen Slum. Als ob hier innerhalb eines Tages lokal nochmal die Inflationsrate explodiert und die Kriminalität importiert worden wäre, tze.

Aber abwarten. Nach überqueren einer mysteriösen Brücke, die über einen vermüllten Kanal führt, gelangen wir endlich zu den lang ersehnten Wellblechhütten-Slums, welche wir bisher nur von außen betrachten durften. Endlich mitten drin in der Armut. Überall Müll (also noch n bisschen mehr als ausserhalb :P), Hunde, Kühe, Kinder, Menschen...Die Wellblechhütten heizen sich übrigens in der Sonne auf, kein Scheiss, wurde uns so vor Ort erklärt. Wer das und vieles mehr nicht weiß hatte vielleicht schon zu viel Zeit in einer ähnlichen verbracht.

Egal, Wir schauen uns noch das Büro des Slum-Ansässigen CU-Angehörigen (Die Orga nennt sich CSA) und deren Computer“cafe“ an. Es wird, wie überall sonst auch, von 6 jährigen Counterstrike gespielt :D .

Dankbar machen wir uns auf den Rückweg zum Bus. Der wo ist? Keine Ahnung, zumindest nicht da, aber is ja kein Ding und „macht ja nix“. Stehen wir halt n bisschen in der Sonne rum, wie sich das für nen Slum gehört. Impressionen über Impressionen.

Bus kam schliesslich, einsteigen, abfahren, ankommen, duschen, kurz schlafen.

Der Tag war ja noch lange nicht vorbei! So konnten wir unsere Free Time, anstatt sie mit unseren unsinnigen Vorstellungen zu verplämpern, endlich mal für das morgige Referat aufwenden. Tinto, Rahul und Karan waren zuverlässig zur Stelle. Auf Roberts und Christians Seite Tinto, auf der der anderen Beiden, die anderen Beiden.

Nach Besprechung der Vorhaben versprach Tinto das Referat weiter aus zu arbeiten. Coole Sache, da konnten sich Robert, Christian, Riggi und Maurice endlich mal Wasser, bzw. in Maurice` Fall auch noch Aggro-AfterSun-Lotion kaufen. Luxus in India. Aber is ja kein Urlaub sondern eine „durchgeplante“ Businessreise. Intercultural Communication? Naja hätte wir ganz gerne mal mit den CU-Studenten betrieben, aber ein Tag Slum hätte nicht gereicht und eine tägliche Zeitverschiebung der Planung um eine Stunde, auf Grund der Fähigkeit der Führung sich an Zeiten zu halten, „macht ja nix“, gestatteten das leider nicht wirklich. (toller Satz, ja, aber voller Emotionen ;) )

Irgendwann im Laufe des Abends, schafften wir es auch uns etwas zwischen die Kiemen zu schmeißen. Karan und Rahul nahmen uns mit in ein indisches, vegetarisches Restaurant. Ehrlich fabulöses Essen, traditionell aus Karans Heimat „Kalkota“. Glücklicherweise haben sie uns noch rein gelassen, nachdem wir doch etwas später dran waren. Projekt geht vor Lebenserhaltung.

Es geschah also nicht mehr viel, war ja auch nicht wirklich Zeit dafür, außer bettlägriges Durchdenken und weiteres Vorbereiten der 3 anstehenden Präsentationen. Laut Mr. „Ich-nehm-mir-nen-Abend-und-Tag-frei-für-Präsentationsvorbereitungen“ hatten wir ja mehr als genug Zeit...

Schließlich, Einschlafen. Gute Nacht.


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