Tagesanbruch:
Auf zum Frühstück. Das Thema Pünktlichkeit sollte ja nun inzwischen geklärt sein. Alles beim Alten. Pläne für den heutigen Tag: Besuch eines Slums und eines Villages mit erbärmlich ärmlichen Zuständen. Prinzipiell halten das auch alle für eine gute Idee. Sollte man halt mal gesehen haben. Da es dem anscheinenden Kopf hinter dem ganzen India-Gateway-Program (wie wir gelernt haben) zeittechnisch nicht möglich war, eine Präsentation unbekannten Themas fertig zu stellen, nahm man sich lieber mal proforma den Tag frei. Präsentation ohne jegliche Zeit fertig zu stellen scheint wohl eher studentisches Terrain zu sein.
Egal, ab zu den Slums. Hier zeigen sich uns bereits die ärmlichen Verhältnisse unter denen die Menschen hier leben und der Guide erklärt uns die Tätigkeiten der menschlichen Mülltrennungseinheiten, welche durch den Slum patrouillieren. Aber da die Slumbevölkerung noch das Glück hat in Betonhäusern zu wohnen, will natürlich ein jeder noch ärmere Verhältnisse sehen. Aber erstmal zurück zur CU um etwas zu essen.
Hier erfahren wir eine schier unmögliche Wandlung. Präsentationsvorbereitungen können innerhalb von einem Vormittag und vorausgehendem Abend fertiggestellt werden. Die Gruppe ist also wieder komplett. (Woohooo) Es kann sich also ein jeder auf den Weg zur Übernachtung im Village machen. Aber aufpassen!!! Diese heimtückischen Villagebewohner ziehen einen bei jeder sich bietenden Möglichkeit ab. Also, ja keine Wertgegenstände (MP3-Player etc) mitnehmen und unauffällig kleiden.
Gegen Nachmittag erreichen wir das Village. Begrüßung durch Tee. Begeisterung über dortige Zustände scheint sich schon jetzt in manch einem Gesicht nieder zu schlagen. Vielleicht hätte man doch lieber länger an der Präsentation gearbeitet?
Nach der Begrüßung wurden wir geschlossen in die abgedeckte Ladefläche eines alten Transporters verfrachtet. Nach verzweifelten Versuchen der Einschlaf- und Pünktlichkeitsgesellschaft sich den einzigen Sitzplatz neben dem Fahrer zu sichern, welcher vom Guide eingenommen wurde, konnte es dann federlos abgehen. Wir erreichten also eine Art Nachbarvillage in dem wir uns ausgiebig umschauen und deren Armut betrachten konnten. Kai konnte uns hier gut über die Ausbeutung der dort lebenden Bevölkerung durch „Landlords“, welchen das Land, welches diese bestellt, gehört.
Die Bevölkerung war etwas zurückhaltend. So würde sich wohl jeder verhalten wenn man wie Tiere im Zoo stundenlang beobachtet wird. Wir waren aber anscheinend nicht die ersten Armutstouristen. Nach einer kleinen Einlage der örtlichen Schule gegen 20-21Uhr -damit Daddy zuhause in Ruhe seine Frau verprügeln kann- und einer glamourösen Einlage der deutschen Begutachter („Marmor, Stein und Eisen bricht“) ging es zurück zum Übernachtungsort.
Dort angekommen bekamen wir unsere....Matratzen, welche wir in einem Village-üblichem Haus aneinander reihten. Leider passte hier nicht jede Matratze und somit auch nicht jeder Besucher hinein, also wurden ein paar ausgelagert. Schlauerweise wurde das Angebot des Guides, eine bekannte Art der Moskitovertreibung in Form eines schneckenförmigen Räucherstäbchens abgelehnt. Man griff also auf die altbewährte, strombenötigende Form zurück. Blöd nur, dass hier der Strom gegen 22Uhr ausgestellt wird. Ohne Ventilator, dafür aber mit immer mehr Besuchern, fiel nicht jedem das Schlafen leicht. Maurice gefiel es anscheinend. Nachdem allerdings Riggi, Robert und Christian feststellten, dass sie doch alle drei nicht schlafen können, begaben sie sich auf eine dreistündige Nachtwanderung, während der wir feststellten, dass der Strom ab 2Uhr wieder angestellt wird. Ungewöhnlich, aber wir machen weiter. Wir stellen fest, dass wir einfach mal jede Angabe über Vorbereitungen, Aussagen über Pünktlichkeit und Erwartungen ins Gegenteil kehren sollte. Wahrscheinlich hätte man den Strom sonst sogar durchgehend laufen lassen ( :P ). Tatsächlich war die Bevölkerung überaus freundlich. Die Kinder spielten und posierten für Fotos und liefen den Fremden voller Neugier hinterher. Und von den Erwachsenen ging genauso wenig Gefahr aus, wie von sich im Wind biegendem Gras.
Ab in die Hütte und endlich schlafen...voller Vorfreude auf noch mehr Armut.
So kündigte sich nämlich ein Besuch in einem noch ärmeren Village am nächsten Tag an. Ungeplant, aber wenn es noch ärmer geht, darf man sich das wohl nicht entgehen lassen.